Kurz gesagt
Rechnungen und Mahnungen der Margot Brands Ltd (SwissNovaChat, Astrolonova, Bongochat u.a.) betreffen Abos, die nie abgeschlossen wurden – das BACS warnt offiziell davor. Wer nichts bestellt hat, muss nichts bezahlen: einmal schriftlich bestreiten, danach ignorieren, Beweise aufbewahren. Nur ein Zahlungsbefehl des Betreibungsamts erfordert eine Reaktion – dann innert 10 Tagen Rechtsvorschlag erheben.
Seit Anfang Juli warnt das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) vor den Portalen SwissNovaChat und SwissNovaCare: Deren Geschäftsmodell bestehe darin, Rechnungen für Abonnemente zu verschicken, die nie abgeschlossen wurden. Im Impressum beider Seiten steht eine Margot Brands Limited mit Sitz in Hongkong – dieselbe Firma, vor der aktuell auch deutsche Verbraucherzentralen und österreichische Watchlists warnen. Die Welle rollt durch den ganzen deutschsprachigen Raum, und die Chance ist real, dass eine solche «Rechnung» auch in Ihrem Posteingang oder dem Ihrer Angehörigen landet.
Die Masche: Rechnung zuerst, Vertrag nie
Betroffene erhalten aus heiterem Himmel Rechnungen und gestaffelte Mahnungen über typischerweise 150 bis 250 Franken oder Euro – für angebliche Jahres-Abos von Diensten mit wohlklingenden Namen: das Horoskop-Portal Astrolonova, der Fitness-Planer Fitnovaness, der KI-Assistent Bongochat, das Ernährungscoaching Novavitalia, dazu bewusst schambesetzte Angebote wie NovaMenstruHilfe oder NovaErektionshilfe und die Dating-Plattform Novasparkling. Für die Schweiz wurden mit den «SwissNova»-Portalen eigens Marken mit Schweiz-Anstrich geschaffen – laut dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» nannten die Seiten sogar PwC als angebliche Schweizer Vertretung, was der Konzern klar dementiert.
Die Schreiben sind handwerklich gut gemacht: professionell wirkende Portale, kurze Zahlungsfristen, Drohungen mit Inkasso und Einträgen bei Auskunfteien, Ein-Klick-Zahlungslinks – und als Kontakt oft nur eine Support-Mailadresse und eine teure 0900-Nummer. Wer sich beschwert, erhält Antworten mit angeblichen «Beweisen» für den Abschluss. Die Rechnungen zerlegen eine simple Abo-Gebühr in technisch klingende Einzelposten, um Seriosität zu suggerieren. Das ist Social Engineering per Briefkopf: Autorität, Zeitdruck und – bei den Gesundheitsthemen – gezielt geschürte Scham sollen zur schnellen, stillen Zahlung bewegen.
Die Rechtslage: Eine Rechnung ist kein Vertrag
Der wichtigste Satz zuerst: Wer nichts bestellt hat, muss nichts bezahlen. Eine Zahlungspflicht entsteht durch einen wirksamen Vertrag – nicht durch eine Rechnung, nicht durch eine Mahnung und auch nicht durch eine Inkasso-Drohung. Die Beweislast für den Vertragsschluss liegt beim Unternehmen. Dazu kommt die Praxis: Ein Anbieter aus Hongkong ohne ladungsfähige Adresse in der Schweiz oder der EU müsste eine bestrittene Kleinforderung hier gerichtlich durchsetzen – ein Aufwand, der zum Massengeschäft dieser Masche nicht passt.
Der Vollständigkeit halber: Die Margot Brands Limited ist in Hongkong tatsächlich als Gesellschaft registriert, und Analysen wie jene der österreichischen Watchlist Internet halten fest, dass die Portale formale Vorgaben wie die Bestell-Button-Lösung einhalten. Wer sich also tatsächlich auf einer der Seiten registriert und bewusst ein kostenpflichtiges Abo bestellt hat, kann einen gültigen Vertrag haben – dann geht es um Kündigung und Widerruf statt um Ignorieren. Für die grosse Mehrheit der Betroffenen gilt das aber gerade nicht: Sie hatten nie Kontakt mit diesen Diensten.
So reagieren Sie richtig
1. Ruhe bewahren – nicht zahlen. Keine Links in Mail oder Brief anklicken, keine Ein-Klick-Zahlung, und die 0900-Nummer nicht anrufen – an den Minutengebühren verdienen die Absender mit.
2. Kurz prüfen, ob je ein Bezug bestand. Mail-Archiv nach dem Dienstnamen durchsuchen: Gibt es eine Registrierungs- oder Bestätigungsmail? Wenn nein, ist die Sache klar.
3. Einmal schriftlich bestreiten – dann ignorieren. Teilen Sie per E-Mail mit, dass kein Vertrag besteht und Sie jede Forderung bestreiten; vorsorglich können Sie Widerruf und Anfechtung erklären. Danach gilt: Weitere Mahnstufen ändern nichts an der Rechtslage – lassen Sie sich nicht in einen Briefwechsel verwickeln.
4. Beweise sichern, Konto im Blick behalten. Alle Schreiben aufbewahren, Screenshots machen. Wurden Kartendaten angegeben oder erfolgt eine Abbuchung: sofort Bank bzw. Kartenherausgeberin kontaktieren und die Belastung bestreiten.
5. Erst gerichtliche Post erfordert zwingend eine Reaktion. In der Schweiz wäre das ein Zahlungsbefehl des Betreibungsamts – dagegen erheben Sie innert 10 Tagen kostenlos Rechtsvorschlag. Alles davor – Mahnungen, Inkasso-Mails, Drohkulissen – begründet keine Pflicht zu handeln.
6. Melden hilft allen. Vorfälle dem BACS über das Meldeformular melden; eine Strafanzeige ist bei der Kantonspolizei oder online via Suisse ePolice möglich. In Deutschland beraten die Verbraucherzentralen.
7. Umfeld warnen. Die Masche zielt auf Menschen, die aus Unsicherheit oder Scham lieber schnell zahlen – sprechen Sie insbesondere mit älteren Angehörigen darüber.
Aktuell: Eintreibung über die Letterdata GmbH
Inzwischen berichten Betroffene, dass Forderungen aus dem Margot-Brands-Umfeld über Inkasso-Schreiben der Letterdata GmbH geltend gemacht werden – ein Absender mit Schweizer Anschrift, was den Schreiben zusätzliches Gewicht verleihen soll. Zur Einordnung: Die Letterdata GmbH ist Konsumentenschützern längst ein Begriff – der Beobachter dokumentierte sie zusammen mit der Inkassodata AG als Eintreiberin im Obligo-Komplex, bei dem sich über Jahre Hunderte Betroffene meldeten, ohne dass es je zu einer Betreibung kam: Es folgten stets nur weitere Zahlungsaufforderungen.
Für Sie ändert ein Inkasso-Briefkopf nichts an der Rechtslage: Eine bestrittene Forderung ohne Vertrag bleibt eine unbegründete Forderung – egal, wer sie eintreibt, und Inkasso-Zusatzgebühren sind ohne gültigen Grundvertrag ebenso unbegründet. Konkret: Haben Sie die Forderung bereits einmal schriftlich bestritten, müssen Sie auf Inkasso-Mahnungen nicht erneut reagieren – lassen Sie sich nicht in einen Briefwechsel ziehen. Falls noch nicht geschehen: jetzt einmal schriftlich bestreiten (gegenüber Absender und Inkassostelle), dann ignorieren. Und sollte tatsächlich ein Zahlungsbefehl des Betreibungsamts eintreffen: sofort Rechtsvorschlag erheben – innert 10 Tagen, kostenlos, formlos direkt beim Betreibungsamt oder gleich bei der Zustellung. Damit ist die Betreibung gestoppt, und die Gegenseite müsste ihre angebliche Forderung vor Gericht beweisen – genau das scheuen solche Geschäftsmodelle.
Und im Unternehmen?
Dieselbe Mechanik trifft KMU täglich in anderer Verpackung: Register- und Branchenbuch-Rechnungen, falsche Domain-Verlängerungen, fingierte Lieferantenmahnungen. Der wirksamste Schutz ist ein Kreditorenprozess, der jede Zahlung an einen bekannten Gegenposten bindet (Bestellung, Vertrag, Wareneingang), plus Vier-Augen-Prinzip ab definiertem Betrag – und Mitarbeitende, die wissen, dass eine dreiste Rechnung kein Zahlungsgrund ist. Beides richten wir mit Ihnen ein, vom Prozess bis zur kurzen Schulung.
Unsicher, ob eine Forderung echt ist? Unser Chat-Assistent unten rechts beantwortet die häufigsten Fragen zu Fake-Rechnungen sofort – und im kostenlosen Erstgespräch schauen wir konkrete Fälle gemeinsam an.
Häufige Fragen
Muss ich eine Rechnung von Margot Brands bezahlen?
Nein, wenn Sie nie ein Abo bei einem der Portale abgeschlossen haben. Eine Zahlungspflicht entsteht nur durch einen wirksamen Vertrag – nicht durch eine Rechnung oder Mahnung. Das Bundesamt für Cybersicherheit BACS rät ausdrücklich davon ab, solche Forderungen zu bezahlen.
Was soll ich tun, wenn ich eine Mahnung von SwissNovaChat oder SwissNovaCare erhalte?
Nicht zahlen, keine Links anklicken, keine 0900-Nummer anrufen. Prüfen Sie kurz, ob je eine Registrierung stattfand. Falls nein: die Forderung einmal schriftlich bestreiten, danach weitere Mahnungen ignorieren und alle Schreiben als Beweis aufbewahren.
Was ist, wenn ein Inkassobüro wie die Letterdata GmbH die Forderung eintreibt?
Ein Inkasso-Briefkopf ändert nichts an der Rechtslage. Haben Sie bereits einmal bestritten, müssen Sie nicht erneut reagieren. Falls noch nicht geschehen: einmal schriftlich bestreiten, dann ignorieren. Inkasso-Zusatzgebühren sind ohne gültigen Vertrag ebenfalls unbegründet.
Wann muss ich zwingend reagieren?
Erst bei einem Zahlungsbefehl des Betreibungsamts. Dagegen erheben Sie innert 10 Tagen kostenlos Rechtsvorschlag – formlos beim Betreibungsamt oder direkt bei der Zustellung. Danach müsste die Gegenseite ihre Forderung vor Gericht beweisen.
Wo kann ich den Fall melden?
Beim BACS über das Meldeformular; eine Strafanzeige ist bei der Kantonspolizei oder online via Suisse ePolice möglich. Unlautere Geschäftspraktiken können zudem dem SECO gemeldet werden. In Deutschland beraten die Verbraucherzentralen.
Quellen
Bundesamt für Cybersicherheit BACS: Aktuelle Warnung zu SwissNovaChat/SwissNovaCare (1. Juli 2026) · SRF Kassensturz/Espresso: Beitrag zu den Swiss-Nova-Mahnungen · Verbraucherzentralen Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen: Warnungen zu Margot Brands Ltd · Watchlist Internet (AT): Analyse zu novavitalia.de · Mimikama: Einordnung der Hongkong-Rechnungen · Beobachter: Recherche zu Obligo, Inkassodata AG und Letterdata GmbH
In short
Invoices and reminders from Margot Brands Ltd (SwissNovaChat, Astrolonova, Bongochat and others) concern subscriptions that were never taken out – the Swiss NCSC warns about them officially. If you ordered nothing, you owe nothing: dispute once in writing, then ignore, keep the evidence. Only a payment order from the debt-enforcement office requires a response – then file an objection within 10 days.
Since early July, the Swiss Federal Office for Cybersecurity (BACS/NCSC) has been warning about the portals SwissNovaChat and SwissNovaCare: their business model, it says, consists of sending invoices for subscriptions that were never taken out. The imprint of both sites names a Margot Brands Limited based in Hong Kong – the same company that German consumer protection centres and Austrian watchlists are currently warning about. The wave is rolling across the entire German-speaking region, and the chance is real that such an “invoice” lands in your inbox or that of your relatives.
The scheme: invoice first, contract never
Out of the blue, recipients receive invoices and staged reminders over typically 150 to 250 francs or euros – for alleged annual subscriptions to services with pleasant-sounding names: the horoscope portal Astrolonova, the fitness planner Fitnovaness, the AI assistant Bongochat, the nutrition coaching Novavitalia, plus deliberately shame-laden offers such as NovaMenstruHilfe or NovaErektionshilfe and the dating platform Novasparkling. For Switzerland, the “SwissNova” portals were created with a deliberate Swiss veneer – according to the SRF consumer programme “Espresso”, the sites even named PwC as their alleged Swiss representative, which the firm clearly denies.
The letters are well crafted: professional-looking portals, short payment deadlines, threats of debt collection and credit-registry entries, one-click payment links – and often only a support e-mail address and an expensive premium-rate number as contact. Those who complain receive replies with supposed “proof” of the subscription. The invoices break a simple subscription fee into technical-sounding line items to suggest legitimacy. It is social engineering by letterhead: authority, time pressure and – with the health topics – deliberately stoked shame are meant to prompt a quick, quiet payment.
The legal position: an invoice is not a contract
The most important sentence first: if you ordered nothing, you owe nothing. A payment obligation arises from a valid contract – not from an invoice, not from a reminder and not from a debt-collection threat. The burden of proving the contract lies with the company. Add the practical reality: a provider in Hong Kong without a serviceable address in Switzerland or the EU would have to enforce a disputed small claim in court here – an effort that does not fit the mass-mailing nature of this scheme.
For completeness: Margot Brands Limited is indeed registered as a company in Hong Kong, and analyses such as that of Austria’s Watchlist Internet note that the portals comply with formal requirements like the order-button rule. So anyone who actually registered on one of the sites and knowingly ordered a paid subscription may have a valid contract – in that case it is about cancellation and revocation rather than ignoring. For the large majority of those affected, however, precisely that is not the case: they never had any contact with these services.
How to respond correctly
1. Stay calm – don’t pay. Don’t click links in the e-mail or letter, no one-click payment, and don’t call the premium-rate number – the senders earn on the per-minute fees.
2. Briefly check whether any relationship ever existed. Search your mail archive for the service name: is there a registration or confirmation e-mail? If not, the matter is clear.
3. Dispute once in writing – then ignore. State by e-mail that no contract exists and that you dispute any claim; as a precaution you may declare revocation and rescission. After that: further reminder stages change nothing about the legal position – don’t get drawn into correspondence.
4. Preserve evidence, watch your account. Keep all letters, take screenshots. If card details were entered or a debit occurs: contact your bank or card issuer immediately and dispute the charge.
5. Only court documents require a response. In Switzerland that would be a payment order from the debt-enforcement office – file a free objection (Rechtsvorschlag) within 10 days. Everything before that – reminders, collection e-mails, threats – creates no duty to act.
6. Reporting helps everyone. Report incidents to the BACS via its reporting form; a criminal complaint is possible with the cantonal police or online via Suisse ePolice. In Germany, the consumer protection centres advise.
7. Warn those around you. The scheme targets people who prefer to pay quickly out of uncertainty or shame – talk about it especially with elderly relatives.
Current development: collection via Letterdata GmbH
Those affected now report that claims from the Margot Brands sphere are being pursued via collection letters from Letterdata GmbH – a sender with a Swiss address, which is meant to lend the letters extra weight. For context: Letterdata GmbH has long been familiar to consumer advocates – the Swiss magazine Beobachter documented it, together with Inkassodata AG, as a collector in the Obligo complex, where hundreds of affected people came forward over the years without a single debt-enforcement proceeding ever being initiated: only ever more payment demands followed.
For you, a collection letterhead changes nothing about the legal position: a disputed claim without a contract remains an unfounded claim – no matter who collects it, and collection surcharges are equally unfounded without a valid underlying contract. Concretely: if you have already disputed the claim once in writing, you do not need to respond to collection reminders again – don’t get drawn into correspondence. If you haven’t yet: dispute once in writing now (towards the sender and the collection agency), then ignore. And should a payment order from the debt-enforcement office actually arrive: file an objection (Rechtsvorschlag) immediately – within 10 days, free of charge, informally at the enforcement office or right at the moment of service. That stops the proceeding, and the other side would have to prove its alleged claim in court – exactly what such business models avoid.
And in your company?
The same mechanics hit SMEs daily in different packaging: registry and directory invoices, fake domain renewals, fabricated supplier reminders. The most effective protection is an accounts-payable process that ties every payment to a known counterpart (order, contract, goods receipt), plus a four-eyes principle above a defined amount – and employees who know that a brazen invoice is no reason to pay. We set up both with you, from the process to a short training session.
Unsure whether a claim is genuine? Our chat assistant at the bottom right answers the most common questions about fake invoices instantly – and in a free initial consultation we look at concrete cases together.
Frequently asked questions
Do I have to pay an invoice from Margot Brands?
No, if you never took out a subscription with one of the portals. A payment obligation only arises from a valid contract – not from an invoice or reminder. The Swiss NCSC expressly advises against paying such claims.
What should I do if I receive a reminder from SwissNovaChat or SwissNovaCare?
Don’t pay, don’t click links, don’t call premium-rate numbers. Briefly check whether any registration ever took place. If not: dispute the claim once in writing, then ignore further reminders and keep all letters as evidence.
What if a collection agency such as Letterdata GmbH pursues the claim?
A collection letterhead changes nothing about the legal position. If you have already disputed once, you need not respond again. If not yet: dispute once in writing, then ignore. Collection surcharges are equally unfounded without a valid contract.
When do I have to respond?
Only to a payment order from the debt-enforcement office. File a free objection (Rechtsvorschlag) within 10 days – informally at the office or right at service. After that, the other side would have to prove its claim in court.
Where can I report the case?
To the NCSC/BACS via its reporting form; a criminal complaint is possible with the cantonal police or online via Suisse ePolice. Unfair business practices can also be reported to SECO. In Germany, consumer protection centres advise.
Sources
Swiss Federal Office for Cybersecurity BACS: current warning on SwissNovaChat/SwissNovaCare (1 July 2026) · SRF Kassensturz/Espresso: report on the Swiss Nova reminders · Consumer protection centres of Baden-Württemberg, Saxony and Thuringia: warnings on Margot Brands Ltd · Watchlist Internet (AT): analysis of novavitalia.de · Mimikama: assessment of the Hong Kong invoices · Beobachter: investigation into Obligo, Inkassodata AG and Letterdata GmbH